[>>]

Schneidetisch

Montag, 28. Februar 2005

Tut nichts zur Sache, aber

Dieser schöne Text , via Malorama, in dem es u.a. um die Beobachtung geht, dass alle neuen Blogger spätestens einen Monat nach einem enthusiastischen Start anfangen, ihr Tun übertrieben zu reflektieren bzw. gleich wieder aufhören, weist mich darauf hin, dass der erste Monat dieses Blogs rum ist. Es ist mithin Zeit, die Existenzfrage zu stellen oder auch das Layout gründlich zu verwuscheln.
Bei mir scheint die Sinnkrise sich allerdings zu verspäten. Dieser Platz ist einfach ein zufrieden vor sich hin existierender Knoten in einem weltweiten Netz, der die Welt früher oder später unweigerlich in einen besseren Platz verwandeln wird.
Amüsant ist übrigens, dass ein Link vom ortsansässigen Spitzenblogger Martin Roell genau null Referrer in mein Logbuch bringt, während der Spitzenplatz bei der Google-Abfrage "desperate housewives torrent" allein heute schon fünf Besucher in die Irre geführt hat. (Es sei selbstgefällig darauf hingewiesen, dass eine solche Google-Suche, besonders auf deutschsprachigen Seiten, nicht unbedingt der kürzeste Weg zum Ziel ist.)

Freitag, 25. Februar 2005

Essentially, blogging is sampling plus a new riff.

Die tongue immer schön in cheek zu halten und trotzdem Profundes zu sagen, das haben uns die Amerikaner voraus. (mal ganz pauschal)


Blogger als weißes CNN


via Convers.ant

Selbstzitat

Aus den Kommentaren hier:

"The medium is the message" ist so pauschal natürlich ein bißchen Quatsch, vor allem weil es aus dem Kontext gerissen vielseitig interpretierbar ist. Aber die technischen Eigenheiten beeinflussen die Inhalte, klar. Im Fall von Blogs befördern sie unabhängige (Vorteil gegenüber den Massenmedien) Subjektivität bei gleichzeitiger Vernetzung.
Wenn die Community eine kritische Masse erreicht, werden die Inhalte für die öffentliche Sphäre relevant. Das Erreichen der kritischen Masse hängt von der Zahl der Mitmacher ab, aber auch davon, wer mitmacht. Weblogs werden von gebildeten, gut verdienenden Leuten, oft mit Zugriff auf Massenmedien, gemacht und gelesen.
Die Vernetzung sorgt für die Ausbildung von Knoten mit einer Menge Kontakten und Lesern, der A-List. Das ist das "Power Law".

Deshalb ist Relevanz eine Frage der Zeit, solange die Blogosphäre wächst - ob man das nun gut findet oder nicht. Und in den USA bereits erreicht. Mit "Qualität" hat das übrigens erstmal nichts zu tun.


Auf Nachfrage präzisierte ich:

Unter "kritischer Masse" verstehe ich nicht unbedingt das Eindringen in die (in vielen Fällen nicht mehr adäquaten) Diskurse der Massenmedien durch Anpassung. Die Blogosphäre gewinnt eher für sich selbst eine Bedeutung in der Öffentlichkeit, wenn ein großer Teil der Leute lieber hier liest statt dort. (Das ist aber auch kein Grund, sich in Hahnenkämpfen mit professionellen Journalisten zu erschöpfen, zumal die Blogger für die richtig Großen doch nur ein lästiger Floh im Gefieder sind)
Das wiederum zwingt dann vielleicht Massenmedien, auf die Bloggerthemen einzugehen - oder auch nicht. Die Frage ist, ob man die gesellschaftliche "Bedeutung" daran messen muss. Zwanghaft auf die Massenmedien zu schauen - das bringt's nicht. Was ist so schlimm daran, ein alternatives Medium zu haben?


Oops, da habe ich die Grundlagen meiner Magisterarbeit versehentlich schlüssig zusammengefasst.

Von der Effektivität der interaktiven Features in Weblogs bin ich immer weniger überzeugt. Die ziellose Kraut-und-Rüben-Diskussion zum Eintrag von Martin Roell hat mich darin bestärkt. Da ruft jeder irgendwas operativ Geschlossenes (iih, Systemtheorie!) in die Wüste. (Ich gebe keineswegs der Qualität der einzelnen Wortmeldungen die Schuld.)
Man muss seinen Kommentar schon geschickt timen, um irgendeinen Effekt zu erzielen. Trackbacks sind auch doof, weil sie aus der Diskussion irgendwie rausfallen - und kompliziert zu bedienen sind. Dazu irgendwann mehr, wenn ich das sortiert kriege.

Dienstag, 22. Februar 2005

Jetzt aber mal was über Blogs

Weil ich mich gerade geärgert habe, wie lässig manchmal argumentiert wird, z.B. in diesem zwei Monate alten Pamphlet der "Bloginitiative Germany":
"Die journalistische Filterfunktion und Informationsfunktion entfällt, denn in Weblogs können die Rezipienten schon heute lesen, was morgen erst gedruckt oder gesendet wird."

Entschuldigung, was macht denn dann Spiegel Online? In Wirklichkeit kann ich doch in Blogs meistens nur lesen, was der Spiegel (um mal den hiesigen Platzhirsch zu nennen) oder andere Onlinemedien gerade gemeldet haben.
Die Gatekeeperfunktion von Massenmedien fällt ja eben nicht weg. Im besten Fall sind Blogs im Filterprozess eine zusätzliche Instanz.
Was (vielleicht) teilweise wegfällt, ist die Interpretationshoheit der Massenmedien über laufende Ereignisse. Die heimliche Heimat des Weblogs ist das Subversive, das Querliegen zu gängigen Diskursstrukturen. Was Blogger nebenbei noch leisten können, ist das investigative Festbeißen in Themen, die in den Massenmedien aus irgendwelchen Gründen untergehen. Und der Fall Eason Jordan zeigt, dass sowas das Diskussionsniveau nicht zwangsläufig erhöhen muss.
Ob zusätzlich noch was geht, das wäre erstmal zu beweisen.

Donnerstag, 17. Februar 2005

Kreative Netzwerktheorie

Albert-Laszlo Barabasi zur Quantentheorie von Internetcommunities:

"Using a simple mathematical transformation, Bianconi substituted fitness for energy, assigning an individual energy level to each node in the fitness model. [...]
The links of the network turned into particles in the gas, each assigned to a given energy level. Adding a new node to the network is like adding a new energy level to the Bose gas, adding a new link in the network is the same as injecting a new Bose particle into the gas.
In this mapping, complex networks are like a huge quantum gas, their links behaving like subatomic particles. "

Freitag, 11. Februar 2005

Die Weblogform intuitiv erfassen

"Die meisten Seiten im Netz bemühen sich darum, ein Ziel zu sein, sie kämpfen darum, dass man sie findet und dann bei ihnen bleibt, sie wollen das Ende des Netzes sein und nicht bloß ein Dazwischen, der User soll kommen und nicht mehr weggehen. Der Weblogautor aber schickt die Leute gleich wieder fort, er weiß, dass er nicht mehr ist als ein Knoten unter Knoten, er sagt allen, die bei ihm vorbeikommen, dass sie gleich wieder gehen sollen."


"Ihre Praxis besteht darin, den Lesern zu sagen, dass Texte löchrig sind, dass es keine abgeschlossenen Texte gibt, dass hinter den Texten andere lauern."

...und noch mehr Luzides in einem schon älteren Jungle-World-Dossier vom (meine ich mich zu erinnern) Herrn Praschl.

Klar - das ist schon lange durch. Eben drum.

Freitag, 4. Februar 2005

We're not the media

"Clay Shirky's power law curve shows that there are a relative handful of weblogs that are very highly read, and then there's an elbow and the curve flattens out. And most weblogs, the vast, vast, vast majority of them (the long tail, as Chris Anderson of Wired called it) are read by a few people. So the media looks at that curve and it says, "Aha! On the left-hand side where the big-time bloggers are, those are being read by hundreds of thousands of people. They're like media. Weblogs are like media!" Maybe they're competitive, maybe they're helpful to media, but they look like media to the media. And so then the media asks, well, the media-ish questions like, are they credible, are they edited. Those are media questions that have very little to do with the social phenomenon of weblogging that is the long tail of weblogging."

Dr. David Weinberger hat am "Cluetrain Manifesto" mitgeschrieben, and he's still sticking it to the man

Außerdem: nicht so Nettes über die versuchte Vereinnahmung von Blogs durch die PR-Agenturen, das hört man immer gerne. (Aufhalten läßt es sich ja doch nicht.)

The one where the real purpose of this Blog is revealed...

to an audience that doesn't exist. Yet. (Ähem.)

Denn eigentlich soll es hier um meine Magisterarbeit gehen, in der das ganze Geblogge mal so richtig knallhart wissenschaftlich aufbereitet wird.
Dummerweise darf ich gar nicht so viel verraten, denn das kommende Standardwerk ist noch gar nicht fertig - und wer weiss schon, wer wann welche Rechte daran hat. Deshalb werde ich hier erstmal in loser Folge die ganzen interessanten Schnipsel reinstellen, die bei der Recherche so angefallen sind.

Es scheint zum Beispiel, dass in der ganzen Bloghysteriediskussion ein wichtiger Aspekt unter den Tisch fällt: Weblogsoftware ist eine prima Innovationsmaschine fürs Publizieren im Netz geworden. RSS, Permalinks und so.
Ich hab so ein Gefühl, dass die echten, einschneidenden Veränderungen mehr auf dieser Schiene fahren werden. Bloggen ist was für Subkulturen. Blogger sind keine Journalisten und es wäre schade, wenn sie welche werden. Joi Ito kann das natürlich viel besser ausdrücken: "Bei Wikipedia und den Medien geht es darum, einen neutralen Standpunkt zu vertreten. Aber ein Weblog hat einen subjektiven Standpunkt. Versuche, deine eigene Position herauszufinden. Manche versuchen, in einem journalistischen Stil zu schreiben: das ist auf Dauer sehr ermüdend."

Worauf ich hinauswollte: Simon Waldman, der Onlinemann vom Guardian, über deren Internetauftritt und was er vom Weblogformat gelernt hat : The Guardian is striving not to be ‚on’ the Web, but of it
logo

Neuronale Emergenzen

Ich will Teil einer Medienrevolution sein

Suche

 

Newsfeed

RSS via Feedburner:

Leserüberwachung by