Kann auch mal gesagt werden

zeit: Ihre Romane stecken voller Anspielungen, Sie verwursten Märchen, mittelalterliche Literatur und, und, und. Wie schlau muss man sein, um den vollen Spaß an Walter Moers zu haben?

Moers: Seitdem ich die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär geschrieben habe, unterstellt man mir eine Belesenheit und Popkulturkenntnis, die ich gerne hätte. Ich sollte diesen schmeichelhaften Mythos wohl besser schüren, aber viele der Bücher, deren Verwurstung man mir unterschieben will, habe ich gar nicht gelesen. Manchmal kenne ich nicht mal die Namen der Autoren. Die Kritiker haben einfach ihre Kenntnisse in den Blaubär rein- beziehungsweise aus ihm herausgelesen.
Daniel Kulla - 17. Mrz, 14:42

Das geht bei mir so weit, daß ich einen Tag, nach dem mir eine Idee oder Formulierung gekommen ist, anderswo auf sie stoße und das selbstverständlich niemand glauben wird, ich deshalb zuweilen selbst an meine Zeitwahrnehmung zweifle.

Neuronalrheuma?

Melkus - 17. Mrz, 15:33

Ebenso vertraut wie fatal ist das (wegen der Zitierpflicht) bei Magisterarbeiten. Oft möchte man beim Lesen der Koryphäentexte selbst nicht mehr glauben, dass man das wirklich, ganz ehrlich, schon längst hingeschrieben hatte.
Da blieb dann manchmal nur, an die eigene Formulierung den fremden Verweis dranzupappen.

Teilweise aber auch das umgekehrte Phänomen, dass man irgendwas aufschnappt, das es sich dann in irgendwelchen unzugänglichen Gehirnecken ein Weilchen gemütlich macht. Irgendwann findet man es, schreibt's hin und hält es für was Eigenes.

Und beide Phänomene sind praktisch nicht unterscheidbar. Wenn man Glück hat, finden sich wenigstens Indizien.

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