Donnerstag, 17. März 2005

Umzug!

Nach: neuronal.twoday.net

Kein spezieller Grund außer der sozusagen nicht mehr korrekten Adresse, die bei jedem Klick mehr genervt hat. Über Blogs an sich soll dort nur noch in Ausnahmefällen gesprochen werden, Begriffe wie Blogosphäre, Community, Partizipation stehen auf dem Index. Dazu letzte Worte von LaTaiga im Elektrosmog:

wer braucht leitbilder? weg damit. ich sehe das blog als chance, etwas von meiner realität in die kultur einzuspeisen. diese chance hätte ich gar nicht, wenn nur offiziöse publikationen wichtig wären. und für das bisschen freiheit riskiere ich gerne, in der atomisierung von meinungen zwischen troll und proll mitzuschwimmen.

Der neue, aus dem Bücherregal geloste Titel scheint mir unspezifisch genug, bei gleichzeitiger Vortäuschung intellektueller Sophistikation. Ich hab mir Mühe gegeben, das Blog exakt zu klonen. Es gilt übrigens auch den Hut zu ziehen, wie einfach das hier möglich ist.

Apropos Idiosynkrasie

Schönste Erklärung aus dem Assoziationsblaster:

Angeblich das Lieblingsfremdwort Theodor W. Adornos, ist es das, was man entwickelt, wenn man älter wird und damit zusehends inkompatibler mit anderen Menschen. Denn je einzigartiger man ist, desto schwieriger wird es noch Anerkennung für die so einzigartige Identität zu bekommen. Deshalb: »Kontingenz bedarf der Freundschaft als Alternative zur Irrenanstalt.« (Zygmunt Baumann)

Silentium bitte!

"Aber so ist es mit dem Unbewußten. Es gibt dir nur einen Hinweis, solange du ihn nicht bemerkst, und kaum, dass du einmal aufmerksam bist, Hinweis zum Vergessen. Weil was soll das für ein Hinweis sein, hat sich der Brenner gefragt.
Obwohl er sich über den unnützen Hinweis geärgert hat, hat er munter weiter pfeifen müssen. Und ich muß auch ehrlich sagen, Unterbewußtsein oft überschätzt, weil oft nur ein Wichtigtuer, der nicht viel mehr weiß als jeder andere auch."

Wolf Haas lässt sinnieren über das Phänomen des inneren Soundtracks, der einen manchmal so ungefragt durch den Tag begleitet. (Man hat mir den Rat gegeben, "Silentium" lieber zu lesen statt zu sehen.) Beruhigend, ich fing schon an, mir Sorgen zu machen, weil ich Frau Sinatras "These Boots Are Made For Walking" stundenlang nicht los geworden bin.

Sonstige Worte des Tages:

Exmatrikulation

Und, in meinen aktiven Wortschatz zurückgeholt u.a. durch die merkwürdige Diktion von Prof. Köhler:
Idiosynkrasie (Sollte man ruhig mal googeln und Verblüffung über die Vielfalt der Bedeutungen dieses Wortes experiencen.)

Gestern schön zu sehen bei Schmidt: Wie Westerwelle in der Manier von wissenschaftlichen Mitarbeitern sehr eitler Professoren als Einziger über die eine lahme Anekdote gelacht hat, während die Sitznachbarn dem Ende der Levitenlesung entgegendösten.

Mittwoch, 16. März 2005

Kann auch mal gesagt werden

zeit: Ihre Romane stecken voller Anspielungen, Sie verwursten Märchen, mittelalterliche Literatur und, und, und. Wie schlau muss man sein, um den vollen Spaß an Walter Moers zu haben?

Moers: Seitdem ich die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär geschrieben habe, unterstellt man mir eine Belesenheit und Popkulturkenntnis, die ich gerne hätte. Ich sollte diesen schmeichelhaften Mythos wohl besser schüren, aber viele der Bücher, deren Verwurstung man mir unterschieben will, habe ich gar nicht gelesen. Manchmal kenne ich nicht mal die Namen der Autoren. Die Kritiker haben einfach ihre Kenntnisse in den Blaubär rein- beziehungsweise aus ihm herausgelesen.

Dienstag, 15. März 2005

Der therapiebedürftige Ameisenhügel

His book is part of a new critical genre that likens society to a mental patient. The prognosis is grim. In "American Mania," he argues that the country is on the downswing of a manic episode set off by the Internet bubble of the 1990's.
"It's a metaphor that helps guide us," he said, perched on a chair in the study of his rambling high-rise apartment near U.C.L.A. "I think we've shot through happiness as one does in hypomania and come out the other end, and we're not quite sure where we are.


Disclaimer: Der grundsätzliche Ansatz lässt sich gut weiterspinnen, die Argumente sind mehr so hit-and-miss.
Interessant fand ich den Vorwurf, er biete keine Lösungen an. Wozu denn? Lachhafte Vorstellung, dass sich mit der richtigen Medizin alles "lösen" lässt.

Montag, 14. März 2005

...

First of all, what it means, survival in Soviet prison: It means not to give in to the pressures of KGB. After all, what does KGB want from a dissident? They accuse me of being an American spy, but they know that I am not an American spy, they know that I have no secrets. They want me to say publicly that they are right and I'm wrong, because it's important for the Soviet regime that every person is under control. I have to decide every day whether to say yes to KGB and to be released, or whether to say no. The basis of your resistance, of saying no, is the feeling that as long as you continue saying no, you're a free person, that freedom which you found when you started speaking your mind. The moment you say to them "yes," you will go back again to that slavery of the loyal Soviet citizen.

Now, this intuitive, automatic feeling that you want to continue being free and to enjoy your inner freedom, in prison that was the basis of your resistance. But it is very dangerous to rely only on intuition, on non-rational things. As a religious, national person, I was relying on my instincts, but as a scientist, I had to rationalize these instincts. I had to explain to myself, rationally, why I should not cooperate with them. I had to make sure that I was controlling my behavior during interrogations, in spite of the fear, which they could insert in me, threatening to sentence me to death. That's why I developed the whole system of rationalization, of what are my aims and means. I was writing in my mind the whole tree of my behavior, and the reasons why I should say no to KGB. It was very important rational support; but in fact, the basis of it was irrational, the basis of it was this feeling of inner freedom which I wanted to keep in myself.

...

...it was the equivalent of Ronaldinho suddenly turning his back on professional soccer: a genius, the world's greatest player, unexpectedly packing it in.
I was rather pleased with the analogy and repeat it to Kasparov when we meet in London two days later. He had watched the Chelsea-Barcelona game and marvelled at Ronaldinho's magical goal. I thought he would be flattered. Not a bit of it. "I don't think you can make a comparison," he says. "I was at the top for 20 years."

Sonntag, 13. März 2005

Canard morbide

His findings have provoked a lot of interest - especially in Britain for some reason - but no other recorded cases of duck necrophilia. However, Mr Moeliker was informed of an American case involving a squirrel and a dead partner, although in this case it is not known whether the necrophilia observed was homosexual or not as the victim had been run over by a truck shortly before the incident.

Freitag, 11. März 2005

Dieses Blog braucht einen neuen Namen

Der Alte war klumpig und unangenehm google-relevant.

Brainstorm:
Etwas das catchy ist, Kommunkationsbereitschaft anzeigt, Lebensfreude ausstrahlt, der hilflose Surfer muss klicken, bevor er überhaupt ahnt, was er da tut, jajaja .......

Ach nö, der ist es nun wirklich nicht.

Gute Besserung!


Arndt Aschenbeck
hat für uns schon mal den Ausgang des Sonntagsspiels Schalke vs. Bayern ausgerechnet. Bedauerlich: Ailtons ungünstige Tageszahl. Scheint ein Langweiler zu werden.

Serenity now.

Das verdammte Ding fertig formatiert, gedruckt und binden lassen. Ätsch!
Noch drei Tage bis zum Abgabetermin, aber in der letzten Sekunde dem Prüfungsamt in Schräglage was durch die schon halb geschlossene Tür werfen ist so unwürdig und dieses Wochenende ist meins. Meins! Und das dem ekligen Schneeregensturm ins Gesicht.
Dann leichter Kater. Vier, fünf, sechs mittelblöde Fehler entdeckt. Egal, was liegt, liegt.
Coming up later in the week: Rituelle Post-Prüfungs-Depression

Notenvorschlag:
Prof. N. aus M. - 1,7
Prof. H. aus D. - 2,3

Auf der Basis kann man sich einigen.

Soundtrack für den Tag: Up, Bustle and Out - One Colour Just Reflects Another

Donnerstag, 10. März 2005

Flashback auf jugendliche Tipp-Kick-Schlachten gegen meinen Onkel.

Jedes Fussballjahr hat sein definierendes Spiel, dass sich in der Erinnerung verhakt, in dem alle Gewißheiten lächerlich werden. Das einen Rausch auslöst wie das Betrachten großer Filme, wenn in einem perfekten Moment eine innere Resonanz erzeugt wird, das interne und externe Geschnatter verstummt und die Haut gänst.
In diesem Fall vermischt sich das mit der Melancholie, weil das größte Team seit Jahren tragisch gescheitert ist, weil es lachhafte 20 Minuten lang den Faden verlor, überrumpelt wurde vom ultimativ opportunistischen Gegner.
Zu so einem Spiel gehört selbstverständlich ein transzendentaler Moment.

Dienstag, 8. März 2005

Wochenendrückblick

Gelernt:

Wenn man nicht auf sich aufpasst, fühlt es sich unverdient an, wenn es jemand anders tut.

Sie fehlt mir anders als ich dachte.

Minusgrade zermürben wie den Frosch das sich erhitzende Wasser.
(Zum Sack saufen zermürbt noch schneller.)

Auf wackligen Knien zum Abgabetermin.

Schon länger geahnt: Bei insomnialen Neigungen wird ein Blog gefährlich.

Montag, 7. März 2005

The mind reader

Because of the three brains -- the cortex, the limbic and the reptilian -- I've designed a session where we started with the cortex, because people want to show how intelligent they are, so [we] give them a chance. We call that a purge or washout session. We don't care what they say; we don't believe what they say. And usually they give us all the cliché. They tell us everything that we have told them already through advertising, communication, the media, the newspaper.

Sonntag, 6. März 2005

...

Wenger's Japanese experience, as manager of Nagoya Grampus Eight, apparently left him feeling very centred. 'In Japan I learned a lot about myself and how I could be,' he has said. Few calm men have ever had to face up to as formidable an irritant as the Manchester United manager, however, a man who would give a monk plenty to meditate on.

Mittwoch, 2. März 2005

Beweisstück D

In englischen Blogs wird natürlich über das Wetter geredet.

Schönstes Fundstück: Der Moskauer Bürgermeister will Metereologen künftig standrechtlich erschießen lassen mit Bußgeld belegen, wenn sie schon wieder danebenliegen.
Für den Wahrheitsgehalt der Story verbürge ich mich nicht.

Mehr selbstreflexiver Mist

Mein Horoskop behauptet, ich wäre schwanger.

Muss noch zum Ultraschall, aber ich glaube, es ist ein Blog!

Man kann bestimmt schon die Füße erkennen.

Novelle des Medienkonzernschutzes

Nochmal die Süddeutsche: Stefan Krempl guckt recht gründlich in den zweiten Korb der Urheberrechtsnovelle, aber was er zu Tage fördert, lässt den Leser am Verstand der Justizministerin zweifeln:

Die Ministerin zählt dazu etwa das Herunterladen der Kopie eines Films per Filesharing vor dem Kinostart. Darauf sollen künftig bis zu drei Jahre Haft stehen.

Au weia!

Gleichzeitig will Zypries aber Downloads aus Tauschbörsen in geringem Umfang für private Zwecke straffrei halten und eine „Bagatellgrenze“ einführen.

Ach so, na dann...

Ein Auge zudrücken könnte man bei Dateizahlen „im einstelligen Bereich“, erläuterte die Ministerin jüngst diese Schmerzgrenze, ohne jedoch eine zeitliche Bezugsgröße anzugeben.

Na eben. Lasst es einfach Vater Staat willkürlich im Einzelfall entscheiden.

Unterdessen geißelt Prantl im Medienteil die komplette Absurdität, dass die Urheberrechtsabgaben auf Kopiergerätschaften gesenkt werden sollen. Diese Abgaben gehen nämlich (relativ) direkt an die Urheber, nicht an die Industrie. Und die Urheber interessiert beim zähen Tauziehen ums Urheberrecht nun wirklich keine Sau.

Frühstücksepiphanie

Im Süddeutsche-Feuilleton der Augenzeugenbericht (das ist fast wie ein Blog) einer 49jährigen Irakerin aus einer Welt, in der abgebombte Arme auf den Balkonen von Freundinnen landen und ohne Schleier rauszugehen ebenso lebensgefährlich ist wie sich einem Panzer auf 100m zu nähern.

Gleich darunter bespricht Lieblingsfilmkritiker Fritz Göttler den neuen Murnberger/Hader "Silentium" und zitiert den großen Chandler:
"Es ist nicht komisch“, schrieb Chandler, „wenn ein Mensch umgebracht wird, aber es ist manchmal komisch, wenn er für so wenig umgebracht wird und dass sein Tod die Münze dessen sein soll, was wir Zivilisation nennen.“

Dienstag, 1. März 2005

Kleine Begriffsgeschichte der fünften Gewalt

Die fünfte Gewalt - Lobbyisten haben so viel Einfluss wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik

Die fünfte Gewalt - Herrscht die Wirtschaft über die Politik?

Medienkompetenz - die fünfte Gewalt?

Stiftung Warentest: Die fünfte Gewalt

Die fünfte Gewalt? Medienjournalismus bei deutschen Tageszeitungen. Eine Redaktionsbefragung.

Gewalt - Die fünfte Macht im Staat

Der Vermittlungsausschuss ist bei gegebener Machtverteilung in Bund und Ländern die fünfte Gewalt im Staat

Die fünfte Gewalt - The Revolution will be blogged - Teil 2

Presented by Google.

Montag, 28. Februar 2005

Tut nichts zur Sache, aber

Dieser schöne Text , via Malorama, in dem es u.a. um die Beobachtung geht, dass alle neuen Blogger spätestens einen Monat nach einem enthusiastischen Start anfangen, ihr Tun übertrieben zu reflektieren bzw. gleich wieder aufhören, weist mich darauf hin, dass der erste Monat dieses Blogs rum ist. Es ist mithin Zeit, die Existenzfrage zu stellen oder auch das Layout gründlich zu verwuscheln.
Bei mir scheint die Sinnkrise sich allerdings zu verspäten. Dieser Platz ist einfach ein zufrieden vor sich hin existierender Knoten in einem weltweiten Netz, der die Welt früher oder später unweigerlich in einen besseren Platz verwandeln wird.
Amüsant ist übrigens, dass ein Link vom ortsansässigen Spitzenblogger Martin Roell genau null Referrer in mein Logbuch bringt, während der Spitzenplatz bei der Google-Abfrage "desperate housewives torrent" allein heute schon fünf Besucher in die Irre geführt hat. (Es sei selbstgefällig darauf hingewiesen, dass eine solche Google-Suche, besonders auf deutschsprachigen Seiten, nicht unbedingt der kürzeste Weg zum Ziel ist.)

Beweisstück C

The life of the modern man (and woman, I will concede) is ruined by this myth of narrative. We believe our lives are like books or films and have a concrete beginning, middle and end. We expect introductions to lead somewhere, we wait for conversations to reach a climax... we live in the disappearing shadow of a thrilling denoument. But our lives are sadly free from narrative. We go nowhere. For every step forward that we take, we wander down a dead-end or a blind alley. We stumble from day to day believing that the passage of time indicates movement. But it is simply another day.

The League against Narrative is dedicated to the annihilation of these false Gods. We will open the eyes of the people: we will show them that we are going nowhere.

Nur bei akuter Schlaflosigkeit anzuwenden

Für die nächsten Oscars wünschenswert: Die Einführung von Altersklassen beim Regieoscar, damit die Unter-60jährigen eine reelle Chance haben. Allerdings fragt sich auch, was dieses Jahr die Alternative zu den alten Meistern und ihren unterhaltsamen, aber doch nostalgischen Spätwerken gewesen wäre.

Wenigstens Charlie Kaufman gewann und lieferte die einzige erträgliche Dankesrede.
Der Rest war eine gruslige Show mit einem angeblich respektlosen, aber unkonsequenten und unlustigen Moderator und sagenhaft lahmen Musikeinlagen, die nicht mal mehr als "guilty pleasure" funktionierte. Bei Salon angemessen auseinandergepflückt:

This was the Oscars that raised the question: Does Jay-Z own the accounting firm PricewaterhouseCooper? Because that's the only explanation I could come up with for that joyless, airless, tense, inhuman ordeal of a Beyoncé concert.
The neurotic, sphincter-clenched pacing, which was perhaps some accountant's idea of how to keep things moving, made the whole thing indigestible: kind of a cross between "The Chronicles of Riddick" and microwavable White Castle burgers

Sonntag, 27. Februar 2005

Tea time

Die englische Blogosphäre halte ich ja für die Produktivste und vor allem im Ton Angenehmste. Warum, werde ich vielleicht mal darlegen, wenn gerade keins dieser "wichtigsten Spiele" des Jahres (gerade Liverpool gegen Chelsea) im Hintergrund läuft.

Beweisstück A:

Der "Observer" (oder Sonntagsguardian) mit einem Gruppenblog, das gar nicht wie ein Feigenblatt wirkt. So muss das, auch wenn wir Amateurblogger (hehe) es dadurch nicht leichter haben. Eine leichte Besessenheit mit gut aussehenden Spielern des AC Milan scheint übrigens durch, da hat ManUs Heimniederlage diese Woche wohl Spuren hinterlassen.

Und wäre ein buddhistisches Weblog nicht eine fantastische Idee? Da könnte man dann Hunter S. Thompson eine angenehme Reinkarnation wünschen.

Beweisstück B
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Neuronale Emergenzen

Ich will Teil einer Medienrevolution sein

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